Ackerflur mit geschichtsträchtiger Vergangenheit

Wer die Flurkarte der Gemarkung Hirschberg studiert, findet unweit des Dorfes am Fuß des Höchst, auf der rechten Seite der L 317 nach Eppenrod, die Eintragung “Die Freiheit” oder “Freiheitsfeld”. Die Hintergründe der historischen Begebenheit, die zu der eigenwilligen Bezeichnung einer Ackerflur führte, sind es wert, heimatgeschichtlich interessierten Zeitgenossen in Erinnerung gerufen zu werden. Sie sind in den Analen des Dorfes festgehalten und setzen damit gleichsam seinen früheren Bewohnern ein bleibendes Denkmal für die Kühnheit und ihren Mut in Zeiten der Not und der Unfreiheit. Eingeengt durch “Domänen und Staatswälder”, dazu einer Langescheider Gemarkungsgrenze, die bis in die bebaute Ortslage hinein reicht, waren die Hirschberger seit eh und je auf eine minimale Feldfläche angewiesen: zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben!

Vor 160 Jahren im denkwürdigen Revolutionsjahr 1848 – erreichte sie die Kunde von dem Volksaufstand freiheitsbewusster Bürger im Nassauer Land, die sich zu Tausenden vor dem herzoglichen Schloss in Wiesbaden versammelt hatten, um Mitbestimmung und Menschenrechte einzufordern. Herzog Adolf von Nassau, so hieß es, habe dem Druck der Straße nachgegeben und neben der Presse– und Vereinigungsfreiheit, der Einberufung einer Volksvertretung, unter anderem auch die Aufhebung der Standesvorrechte, die Selbstverwaltung der Gemeinden und die sofortige Umwandlung der Domänen in “Staatseigentum” versprochen. Für die in ihren Grenzen eingeengten Hirschberger war das ein “Zeichen des Himmels”: Sie griffen entschlossen zu Axt und Säge und trieben kurzerhand den nördlich des Dorfes gelegenen, neun Hektar großen “Staatswald” ab, um auf diesem Wege ihre Ackerfläche zu vergrößern.

Über die Folgen der “kühnen” Tat heißt es in der Schulchronik: “Im folgenden Jahr” – mittlerweile hatte der Herzog seine Zusagen weitgehend wieder zurückgenommen – “kam die Anfrage aus Wiesbaden: Wer waren die Rebellen?...” Dann berichtet der Chronist, wie es dem damaligen Bürgermeister Hubert gelang, “die Verhandlungen in kluger Weise so zu drehen”, dass das gerodete Land im Eigentum der Gemeinde blieb.

Die gesamte Fläche, wie auch das 1921 gerodete “Hillenfeld” wurde damals zu gleichen Teilen an die Haushalte des Dorfes vergeben. Bis 1922 erinnerte eine mächtige, einsame Buche auf dem “Freiheitsfeld” als unübersehbares “Denkmal” an die historische Begebenheit vor jetzt 160 Jahren. Auf dem Stamm der “Freiheitsbuche” waren – “deutlich eingegraben”, wie in der Schulchronik vermerkt – die Worte zu lesen: “1848 begann die Freiheit – 1849 hörte sie auf. Herborn/Schäfer”.

Bericht von Willi Schmiedel, erschienen in der Rhein-Lahn-Zeitung Nr. 139 vom 17./18. Juni 2000

Bild vom Einschlag "Freiheit"
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Bild vom Einschlag "Freiheit"
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